Wo Franz Xaver Gruber das Orgelspielen lernte: Der Burghauser Organist Georg Hartdobler…

Medieninfo 20180617/Neureiter

… und der sehr frühe Burghauser Inventar-Eintrag des Stille-Nacht-Liedes 1823

In der Forschung zum Weltfriedenslied spielte er bisher eine eher marginale Rolle, der Organist an der Stadtpfarrkirche St. Jakob zu Burghausen Georg Hartdobler. Franz Xaver Gruber berichtet von ihm in seiner „Authentische[n] Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes 'Stille Nacht, Heilige Nacht‘“ 1854 über seinen Lernerfolg: „[Franz Gruber]…kam,  den Webstuhl verlassend, 18 Jahre alt zu H. Georg Hartdobler, Stadt-Pfarrorganisten in Burghausen, in die Lehre, und brachte es nach nur drei Monaten erhaltenen Unterricht so weit, bei fig. Aemtern den Generalbaß auf der dortigen Orgel spielen zu können.“

Josef Hohenleitner, Seeon, setzt sich in der jüngsten Ausgabe der „Blätter der Stille Nacht Gesellschaft“, die in der kommenden Woche erscheinen wird, eingehend mit Hartdobler auseinander: 1774 in Stubenberg bei Simbach am Inn als Sohn des Lehrers, Mesners und Bäckers Georg Hartdobler und seiner Frau Maria geboren, erhielt er 1795 das Bürgerrecht von Burghausen und wurde 1799 durch Stadtratsbeschluss Organist der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Mehrere Bewerbungen um den Chorregenten-Posten blieben in der Folge erfolglos. Hartdobler verstarb 1851.

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Marktplatz in Burghausen, kolorierte Lithographie von Joseph Lutzenberger 1845/50 (Stadtmuseum Burghausen)


Gruber in der „Lehre“ bei Hartdobler

Neben der Tätigkeit als Organist war Hartdobler als Musiklehrer tätig, komponierte und nahm selbst in Salzburg Unterricht bei Michael Haydn, der ihm kurz vor seinem Tod 1806 „vortreffliches und meisterhaftes Orgelspiel“ sowie „in der Satzkunst die herrlichsten Proben“ bescheinigte: Hartdobler „verspricht in Bälde einen großen Meister“, schrieb Haydn. Hartdobler versuchte auch, seine Kompositionen zu verbreiten, indem er Kupferstiche von ihnen anfertigte.

Die „Lehre“ Franz Xaver Grubers bei Georg Hartdobler ist mit Herbst 1805 bis Frühjahr 1806 anzusetzen. Gruber dürfte die sieben Kilometer von der Steinpointsölde in Hochburg in die Stadtmitte von Burghausen an jedem Unterrichtstag zu Fuß gegangen sein. Der Unterricht erfolgte auf der einmanualigen Orgel der Stadtpfarrkirche St. Jakob mit 15 Registern, 1717 vom Salzburger Orgelbauer Johann Christoph Egedacher gebaut.
   
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An diesem Tafelklavier, einer Leihgabe von Burghausen an das Gruber-Gedächtnishaus Hochburg-Ach, soll Georg Hartdobler seinen Schüler Franz Xaver Gruber unterrichtet haben. (Stille Nacht Gesellschaft, Michael Neureiter)


Gruber blieb mit Burghausen weiter in Kontakt: Im Oktober 1818 lud der Burghauser Chorregent Dominikus Peringer zu einem musikalischen Nachmittag mit „Xav: Gruber, Lehrer von Arnsdorf, mit Titl. Hochw: Hrn: Mohr“ ein, die nach Altötting unterwegs seien und tags darauf in Burghausen nächtigen würden: Mohr und Gruber waren im Oktober 1818 miteinander unterwegs.

Der Eintrag „Weihnachtslied von Gruber“ im Burghauser Kirchenmusikalien-Verzeichnis 1823

Dass die Kontakte weiter anhielten, belegt ein sehr früher Hinweis auf „Stille Nacht“ im „Verzeichniss der Kirchen-Musicalien auf dem Stadt-Pfarr-Chore St. Jakob in Burghausen“, datiert 1823: Darin scheint unter den „Deutschen Liedern und Lauretanischen Lytanien“ auch ein „Weihnachtsl. mit 4 Singst. und ganzer Begleit. v. Fr. Xav. Gruber“ auf. Dazu verweist Josef Hohenleitner auf die Tatsache, dass Gruber wie auch Mohr in Autographen das Lied als „Weynachts-Lied“ (Mohr-Autograph, um 1820) und „Weihnachtslied“ (Gruber, Autograph V, um 1845) bezeichneten. Der vierstimmige Gesangssatz komme der „Halleiner Fassung“ Grubers (Autograph IV) am nächsten.

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Ausschnitte aus dem Kirchenmusikalien-Verzeichnis der Pfarrkirche Burghausen von 1823: Nr. 20 nennt das „Weihnachtsl. …v. Fr. Xav. Gruber“ (Archiv des Bistums Passau)


Der sehr frühe Eintrag im Burghauser Verzeichnis befindet sich in zeitlicher Nähe zum Waidringer „Sammelbüchlein Kirchenlieder zum Gebrauch“ von 1819 und zur Abschrift des Salzburger Stadtpfarr-Chorregenten Johann Baptist Weindl vom 5. November 1822!

Michael Neureiter, Präsident der Stille Nacht Gesellschaft, zu Hohenleitners Hartdobler-Studie: „Damit ist eine wichtige Person im Umfeld der Autoren dargestellt: ein wichtiger Baustein in der Stille-Nacht-Forschung, gerade im Stille-Nacht-Jahr 2018!“

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Josef Hohenleitner (rechts) mit weiteren Autorinnen und Autoren der „Blätter der Stille Nacht Gesellschaft“, v.l. Michael Neureiter, Josef Standl, Anna Holzner, Renate Schaffenberger und Josef Hohenleitner (Stille Nacht Gesellschaft)