Kein EU-Kulturerbesiegel für „Stille Nacht!“

Bild: Standl

Die Stille-Nacht-Gesellschaft bemüht sich nun um die Aufnahme in die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ der UNESCO

Die Information aus Brüssel ist nicht die erhoffte „gute Nachricht“: Wie gestern bekannt wurde, war die Bewerbung „‘Stille Nacht! Heilige Nacht!‘ Das Lied der europäischen Festkultur mit Weltbedeutung. Entstehungsstätten, Museen, Wirkungsgeschichte“ bei der Europäischen Kommission nicht erfolgreich. Von den neun Bewerbungen aus Dänemark, Estland, Luxemburg, den Niederlanden und Österreich wurden vier Bewerbungen mit dem Kulturerbesiegel ausgezeichnet, darunter die beiden Bewerbungen aus den Niederlanden, die Bewerbung aus Estland und der Archäologische Park Carnuntum aus Österreich.

Die Stille-Nacht-Entstehungsgemeinden Mariapfarr, Lamprechtshausen/Arnsdorf und Oberndorf bei Salzburg hatten mit der Stille-Nacht-Gesellschaft im Dezember 2012 die gemeinsame Bewerbung eingereicht. Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur hatte dann im März 2013 für Österreich das Lied „Stille Nacht!“ für das neue EU-Kulturerbesiegel nominiert. In der Begründung des BMUKK hieß es u.a.: “Die Friedensbotschaft des Liedes stimmt optimal mit den europäischen Werten überein…. Besonders positiv bewertet wurden das umfangreiche Kultur- und Tourismusprogramm, die Vernetzungsaktivitäten und das große Engagement der beteiligten Gemeinden.“

 „Nach dem ersten Erfolg der Nominierung durch Österreich blieb uns jetzt der zweite Erfolg leider verwehrt!“ meint der Präsident der Stille-Nacht-Gesellschaft, Michael Neureiter: „Der Hauptgrund dafür ist nach dem Bericht der Jury, dass das Lied, seine Geschichte und die Entstehungsorte sich nicht ausdrücklich auf Europa und die europäische Geschichte beziehen. Offensichtlich ist nicht ausreichend deutlich geworden, dass die Jahre nach dem Wiener Kongress mit den Umbrüchen im Zusammenhang mit der Neuordnung Europas einen engen Konnex zum Umfeld des Lieds aufweisen. Diese europäischen Weichenstellungen hatten enorme politische, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen – ohne diese wäre das Stille-Nacht-Lied nach Auffassung der Experten nicht entstanden!“ Auch sei der Stellenwert des Lieds in der europäischen Festkultur wohl nicht ausreichend gewürdigt worden.

Die Stille-Nacht-Gesellschaft habe dem Archäologischen Park Carnuntum bereits zur Auszeichnung gratuliert und werde sich nun nach der Aufnahme in die nationale Liste der UNESCO 2011 darum bemühen, gemeinsam mit Partnereinrichtungen in Deutschland die Aufnahme des Lieds „Stille Nacht! Das Lied zur Weihnacht“ in die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ zu erreichen. Da Deutschland das Abkommen erst im Sommer 2013 ratifiziert habe, seien nun neue Chancen einer partnerschaftlichen Bewerbung gegeben.

Neureiter sieht auch einen positiven Aspekt in der schussendlich erfolglosen Bewerbung: „Der Bewerbungsvorgang hat die Entstehungsorte Mariapfarr, Lamprechtshausen/Arnsdorf und Oberndorf bei Salzburg samt den Tourismusverbänden gehörig gefordert: Die inhaltliche und organisatorische Kooperation ist ein guter Baustein für die weiteren Vorarbeiten für eine grenzüberschreitende Landesausstellung 2018: Da werden es 200 Jahre her sein, dass das Lied in Oberndorf erstmals erklang!“


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Im März gab es einige Zuversicht nach der Nominierung durch die Republik Österreich: Die Bürgermeister der drei Entstehungsgemeinden mit der Vertretung der Stille-Nacht-Gesellschaft mit der umfangreichen Bewerbung um das neue EU-Kulturerbesiegel vor der 2012 75 Jahre alt gewordenen Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg: v.l. Bgm. Hans Grießner (Lamprechtshausen/Arnsdorf), Bgm. Franz Doppler (Mariapfarr), Bewerbungs-Koordinatorin Eva Reinecker und Präsident Michael Neureiter (beide Stille-Nacht-Gesellschaft) sowie Bgm. Peter Schröder (Oberndorf)